Mythos Großglockner 2017

Dies ist ein Gast-Post unserer Praktikantin Selina Uran.

Wieder einmal ging ein spannendes Wochenende für uns, das Zeitnehmungsteam der Fachhochschule Kärnten über die Bühne. Im Zeitraum vom 15. Juli bis 16. Juli 2017 wurde der Mythos Großglockner in Heiligenblut ausgetragen. Dieses Event war jedoch auch eine Herausforderung für uns: Dies war die bisher größte Veranstaltung bei der wir das Timing machen durften. Bei der Bike Challenge, welche am Samstag, den 15. Juli 2017 stattfand, gingen rund 530 Athleten an den Start, beim sonntägigen Berglauf rund 1260.

Bei einer so großen Teilnehmeranzahl gab es natürlich auch dementsprechend viel vorzubereiten. Unsere Praktikanten und auch einige Studenten leisteten dabei schon eine Menge Vorarbeit. Sie klebten die programmierten RFID-Tags (von uns aufgrund ihrer Antennenform Dogbone genannt), über welche die Athleten detektiert werden, auf die Rückseite der jeweiligen Startnummern. Die fertigen Startnummern wurden dann in die dafür vorgesehenen Kartons einsortiert. Damit waren sie insgesamt einen ganzen Tag lang beschäftigt.

Am Freitag vor dem Event machte sich unser sechsköpfiges Team mit zwei vollbeladenen Autos auf den Weg nach Heiligenblut. Als der Großteil unseres Teams nach rund 3 Stunden (inklusive dem von Herrn Wöllik gesponserten Mittagessen) dort ankam, wurde schnell im Hotel eingecheckt und danach sofort die Strecke besichtigt. Natürlich wurde auch schon einiges für die am nächsten Tag stattfindende Bike Challenge aufgebaut.

Bike Challenge Speaker

Bei den eisigen Temperaturen starteten wir aber zuerst doch noch mit einem heißen Getränk. Nach getaner Arbeit war es nun Zeit für das sogenannte ‚Abendprogramm‘. Dies bestand aus einer gekonnt abgestimmten Mischung aus nervösen Last-Minute-Vorbereitungsarbeiten und der Einnahme des einen oder anderen Getränkes zur Wiederherstellung der Arbeitsmoral.Familie Zeitnehmer

Am nächsten Tag durften wir unseren Schönheitsschlaf länger vollziehen als gedacht, denn aufgrund der niedrigen Temperaturen fand der Start der Bike Challenge erst um 8 Uhr statt um 7 Uhr statt. Trotzdem hieß es für uns schon um 5 Uhr AUFSTEHEN! Als ein Teil unseres Teams mehr oder weniger ausgeschlafen auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe ankam wurde mit Unterstützung der anderen Helfer die Zieluhr am Zielbogen befestigt und das restliche Equipment aufgebaut.

Der andere Teil des Teams war in Heiligenblut für den Aufbau und die Inbetriebnahme des Starts zuständig.Startbereich bei der Bike Challenge

Nach rund zwei Stunden waren alle Athleten im Ziel und somit heiß es für uns abbauen. Da wir nun zu sechst waren und auch noch tatkräftige Unterstützung von unseren Zeitnehmungskollegen Anna Hiden und Mirco Büsch hatten war dies schnell erledigt. Nach dem Mittagessen im Hotel liefen die Vorbereitungen für den Kinderlauf auch schon auf Hochtouren. Dort gab es wiederum Unterteilungen nach Altersklassen und insgesamt gingen zirka 170 Kinder und Jugendliche an den Start. Da beim Kinderlauf nicht so viel Equipment benötigt wurde, waren auch hier die Abbauarbeiten schnell erledigt und wir konnten uns schon auf den morgigen Tag und somit auch die ‚Hauptattraktion‘ vorbereiten.

Das Ziel des Großglockner Berglaufes besteht darin, die knapp 13 Kilometer auf 1494 Höhenmeter als Erster zu bezwingen. Für das Zeitnehmungsteam startete der zweite Tag gleich wie der Erste: mit leeren Magen zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe und dort alles Nötige aufbauen. Der schnellste Läufer namens Ndungu Geoffrey Gikuni brauchte rund eine Stunde und 13 Minuten von Heiligenblut bis zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe. Nach etwas mehr als 4 Stunden waren die letzten Bergläufer im Ziel und wir konnten unsere Ergebnislisten vollständig veröffentlichen. Wie bei so vielen Events war es auch noch nötig geringfügige Änderungen am Layout der Ergebnislisten vorzunehmen, was aber recht schnell gemacht werden konnte.

Aufbau der Speaker Station beim Berglauf mit schöner Aussicht

Somit ging auch die bisher größte Veranstaltung des FH Kärnten Timing Teams dem Ende entgegen. Durch das positive Feedback des Veranstalters wurden wir auch gefragt ob wir nicht auch die Zeitnehmung beim Mythos Großglockner nächstes Jahr machen wollten. Was kann man denn da Anderes sagen als: Berg Heil!

Berg Heil

Beteiligte Personen:

  • Marijan Kezar
  • Alfred Müller
  • Christoph Uran
  • Selina Uran
  • Sebastian Vock
  • Helmut Wöllik
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FHtiming goes motorsports

Nach langer Abwesenheit in diesem Blog habe ich mir gedacht, dass es mal wieder an der Zeit wäre, die Welt über Neuigkeiten aus dem Hause FHtiming zu informieren. Es hat sich schließlich einiges getan. In diesem Post geht es hauptsächlich um ein relativ neues Feld in dem wir uns betätigen: Die Zeitnehmung im Motorsport.

Begonnen hat das ganze vor ziemlich genau einem Jahr. Damals sind die Herren Gerd Figura und Harald Pirtscher vom 1. C.A.R. Team Ferlach auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir nicht Interesse hätten, bei der Fizzers Karawanken Classic einen Teil der Zeitnehmung zu übernehmen. Konkret ging es dabei um die Zeitnehmung von einigen sogenannten Timing SonderPrüfungen (TSPs). Das Interessante dabei: Es wird nicht mit RFID-Transpondern, sondern mit Lichtschranken getimed. Für uns eine Premiere. Außerdem geht es bei dieser Veranstaltung nicht darum, welches Fahrzeug einen ca. 100 bis 500 Meter langen Kurs am schnellsten absolviert, sondern darum, sich so genau wie möglich an die Vorgabezeiten zu halten an denen gewisse Messpunkte passiert werden sollen. Ebenfalls eine Neuheit für uns.

Wir machten uns also an die Vorbereitungen. Die erste Herausforderung war es, die Daten, die uns unsere Lichtschranken lieferten, in unsere eigene Zeitnehmungssoftware zu bringen. Dabei entschieden wir uns für einen mehrstufigen Prozess. Die Lichtschranken waren über lange Kabel mit einem kompakten, aber hoch präzisen Zeitmessgerät (ALGE Timy) verbunden. Dieser kommunizierte wiederum über dessen serielle Schnittstelle mit einem Notebook (ein Panasonic Toughbook, von unseren Studenten auch „Notebook mit den Raketenabschusscodes“ genannt). Auf dem Notebook lief ein von unserem Team (natürlich Alfi) geschriebenes Programm, in dem der Benutzer die Detektionen der Lichtschranke – inkl. der genauen Zeit – einer Startnummer zuordnen und diesen Datensatz über das Netzwerk an das Timing-Notebook übermitteln konnte. Von dort weg war es eigentlich „business as usual“, also nichts was wir nicht schon bei anderen Sportveranstaltungen kennengelernt hätten. (Erinnerung an mich selbst: Dieses „business as usual“ wäre eigentlich Stoff für mehrere Blog-Einträge.)

Das Feedback des Veranstalters bei der Karawanken Classic 2016 war durchwegs positiv. Wir haben unsere Feuertafe also scheinbar ganz gut gemeistert. Und die schönen Autos machten schon Lust auf mehr. Als wir dann noch vom Veranstalter das Angebot bekamen, auch den TAFRENT-Classic-Sprint im Oktober 2016 zu timen, zögerten wir nicht lange. Auch hier lief alles gut … fast war es schon Routine. Aber:

Wer rastet, der rostet.

(wie passend, bei einer Veranstaltung mit klassischen Autos)

Anfang 2017 trafen wir also wieder mit dem Veranstalter zusammen um die Karawanken Classic 2017 zu besprechen. Dabei wurde schnell klar, dass es für uns die Möglichkeit gäbe, in diesem Jahr – zusätzlich zu mehreren TSPs (siehe oben) – auch noch sogenannte Schnittprüfungen zu timen. Dies sind längere Strecken, die mit einer konstanten und vorgegebenen Geschwindigkeit gefahren werden sollen. Bei anderen Veranstaltungen werden diese Prüfungen üblicherweise mit GPS-Geräten bewertet. Allerdings ist unserer Ansicht nach GPS weder räumlich noch zeitlich genau genug für diese Aufgabe. (Noch mehr Stoff für einen weiteren Blog-Eintrag.)

Nur gut, dass wir Systeme kennen, die Objekte identifizieren und deren Detektionszeitpunkte sehr präzise feststellen können: unsere altbewährten RFID-Zeitnehmungssysteme. Anfang April machten wir also einen Test, am lebenden Objekt sozusagen. Wir statteten ein Auto mit RFID-Chip in verschiedenen Frequenzbereichen aus und testeten die Zuverlässigkeit der Systeme anhand der Detektionsrate und deren Genauigkeit mithilfe eines Lichtschrankensystems. Das Ergebnis: Unsere UHF-RFID-Systeme übertreffen GPS-basierte Ansätze im Bezug auf Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Kosteneffizienz bei Weitem.

Damit war das geklärt. Für Schnittprüfungen würden wir die Autos mit passiven UHF-RFID-Tas ausstatten und bis zu vier GPS-synchronisierte Zeitnehmungsstationen an versteckten Stellen am Straßenrand aufbauen, die dann die vorbeifahrenden Autos detektieren. Durch die Abweichungen zur Soll-Passierzeit werden dann die Strafpunkte errechnet.

Als der 18. Mai schließlich herannahte waren wir bereits top vorbereitet. Wir teilten uns in zwei Teams auf:

  • Das „Lichtschranken-Team“, das sich um die TSPs kümmerte und somit dafür zu sorgen hatte, dass die oben beschriebene mehrstufige System reibungslos funktionierte und schnell genug am einen Ort ab- und am nächsten wieder aufgebaut wurde.
  • Das „RFID-Team“, das die Schnittprüfungen durchführte und dabei einiges an Kreativität benötigte, um die Zeitnehmungsstationen und die RFID-Antennen am Straßenrand zu verstecken und die RFID-Tags an den Autos zuverlässig zu befestigen.

Insgesamt wurden an den drei Veranstaltungstagen (Prolog, Tag 1 und Tag 2) fünf TSPs, fünf Schnittprüfungen und zwei Trainings-Sessions getimed … eine Herausforderung für Mensch und Material. Abschließend betrachtet ist aber alles gut gelaufen (oder besser: gefahren) und es gab, abgesehen von teilweise mangelhafter Mobilfunkabdeckung und einem plötzlich nicht mehr funktionierenden Adapter, keine gröberen Schwierigkeiten.

An dieser Stelle vielen Dank an den Veranstalter, ganz speziell an die Herren Figura und Pirtscher, für die super Organisation dieses Events und vor Allem an unsere Studenten, die uns so zahlreich und tatkräftig unterstützten. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen. Unten noch ein paar Impressionen des Events.

Beteiligte Personen:

  • Katarina Buzuk
  • Valentin Egger
  • Verena Egger
  • Markus Lehrbaum
  • Jasna Sinanovic
  • Lisa Steinbrugger
  • Christoph Uran
  • Sebastian Vock
  • Helmut Wöllik

 

Wenn Kärnten läuft und das Netzwerk standhaft bleibt …

Große Sportevents wie Kärnten Läuft an diesem Wochenende sind etwas ganz Besonders. Die Atmosphäre wenn hunderte oder gar tausende Zuschauer „ihre“ Athleten anfeuern und mit ihnen mitfiebern … Die Spannung vor dem Eintreffen der ersten (und natürlich auch der letzten) Finisher … Die mit den Athleten geteilte Freude, die man als Zuschauer verspürt … Die Freude in den Augen der Organisatoren wenn alles funktioniert hat. FALLS alles funktioniert hat …

Die Netzwerktechnik spielt eine nicht unwichtige Rolle im Erfolg einer solchen Großveranstaltung. Ohne einer stabilen Internetverbindung beispielsweise kann an das Posten von Ergebnissen in Echtzeit oder an den bargeldlosen Verkauf von Merchandising-Artikeln nicht einmal ansatzweise gedacht werden. Ein Laie würde sich jetzt wahrscheinlich denken: „Wir haben ja ein super ausgebautes Mobilfunknetz von A1, T-Mobile und Co. Warum verwenden wir nicht einfach das und sparen uns den ganzen Aufwand für das Aufbauen eines eigenen Netzwerkes, das gerade mal ein paar Tage steht und dann wieder abgebaut werden muss?“ Die kurze Antwort: Weil ihr (Veranstalter, Verkäufer, Zeitnehmer, …) damit keine Freude haben werdet. Die lange Antwort: Hmmm, dazu muss ich etwas ausholen …

Jede Mobilfunkzelle (egal ob GSM, UMTS, WLAN, WiMAX oder sonst etwas) ist für eine gewisse Anzahl gleichzeitig verbundener Endgeräte ausgelegt. Wie viele Endgeräte gleichzeitig bedient werden können, hängt unter anderem von der Anbindung und der verwenden Hardware ab. Errichter und Betreiber von Mobilfunknetzen geben Unsummen für Software aus, die eine möglichst effiziente Verwendung der gegebenen Ressourcen berechnet – und ein Vielfaches davon für die Entlohnung der Mitarbeiter, die die Software verwenden. Da liegt es auf der Hand, dass es sich für die Betreiber wirtschaftlich gesehen nicht rechnet, für ein Event, das einmal im Jahr stattfindet, das ganze Jahr die zehnfachen Ressourcen einzuplanen. Oft wird bei Firmen wie T-Mobile oder A1 mit sogenannten mobilen BTSen (also mit auf LKWs montieren Sendemasten) gearbeitet. Aber auch das ist ein wirtschaftliches Verlustgeschäft. Es bleibt also nur mehr die Möglichkeit, eine zuverlässige und garantierte kabelgebundene Internetverbindung selbst nach den eigenen Vorstellungen zu verteilen. Und genau da kommen wir als Netzwerktechniker ins Spiel.

Unsere Vorbereitungen auf die Veranstaltung beginnen in der Regel schon mehrere Monate davor. Schließlich sollten wir dem Internetprovider eine angemessene Vorlaufzeit geben um die Internetleitung(en) einzurichten. Bis ungefähr ein bis zwei Wochen vor dem großen Tag geht es noch recht ruhig zu. Da haben wir Zeit für die Koordination mit dem Veranstalter, andere Veranstaltungen, aber auch für Zeitnehmung, Forschung, Lehre und andere Projekte. Ruhig ist also relativ. Irgendwann sollte man aber damit beginnen, alle benötigten Netzwerkkomponenten vorzubereiten und zu konfigurieren. Dabei ist ein Grundsatz ganz besonders wichtig: Immer einen Plan B zur Hand haben. Es gilt nämlich folgendes Naturgesetz:

Es kann niemals ein Event geben, das komplett nach Plan läuft! [Erfahrung-Erfahrung-Erfahrung]

(Wir arbeiten meistens mit einer gut abgestimmten und bewährten Kombination aus Kabel, Richtfunk und kleinen WLAN-Zugriffs-Zellen. Auf die genaue Architektur werden wir aber erst in den nächsten Posts genauer eingehen.)

Wenn die ganzen Vorbereitungen abgeschlossen sind, werden das Equipment und die Mitarbeiter fein säuberlich in ein bis mehrere Auto(s) gestapelt und zum Event-Gelände verfrachtet. Dort angekommen beginnen wir als erstes damit, den Veranstalter mit Internet auszustatten. Danach geht es in der Regel mit den Verkäufern im Expo-Bereich, den Medien und dem Zeitnehmer weiter. Meistens will der Veranstalter auch ein freies WLAN für die Zuschauer haben, welches auch aufgebaut werden muss. Und über all diese Anforderungen wissen wir im Idealfall bereits vor dem Veranstalter bescheid. Dann und nur dann sieht man nämlich die Freude in den Augen der Organisatoren.

Das Aufrechterhalten des Netzwerks während der Veranstaltung ist nervenaufreibend und das Abbauen nach der Veranstaltung ist kräftezehrend, aber zu diesem Zeitpunkt ist das Schlimmste (hoffentlich) bereits überstanden. Ganz anders als bei der Zeitnehmung. Aber das ist Stoff für eine andere Geschichte und für einen anderen Post.