FHtiming goes motorsports

Nach langer Abwesenheit in diesem Blog habe ich mir gedacht, dass es mal wieder an der Zeit wäre, die Welt über Neuigkeiten aus dem Hause FHtiming zu informieren. Es hat sich schließlich einiges getan. In diesem Post geht es hauptsächlich um ein relativ neues Feld in dem wir uns betätigen: Die Zeitnehmung im Motorsport.

Begonnen hat das ganze vor ziemlich genau einem Jahr. Damals sind die Herren Gerd Figura und Harald Pirtscher vom 1. C.A.R. Team Ferlach auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir nicht Interesse hätten, bei der Fizzers Karawanken Classic einen Teil der Zeitnehmung zu übernehmen. Konkret ging es dabei um die Zeitnehmung von einigen sogenannten Timing SonderPrüfungen (TSPs). Das Interessante dabei: Es wird nicht mit RFID-Transpondern, sondern mit Lichtschranken getimed. Für uns eine Premiere. Außerdem geht es bei dieser Veranstaltung nicht darum, welches Fahrzeug einen ca. 100 bis 500 Meter langen Kurs am schnellsten absolviert, sondern darum, sich so genau wie möglich an die Vorgabezeiten zu halten an denen gewisse Messpunkte passiert werden sollen. Ebenfalls eine Neuheit für uns.

Wir machten uns also an die Vorbereitungen. Die erste Herausforderung war es, die Daten, die uns unsere Lichtschranken lieferten, in unsere eigene Zeitnehmungssoftware zu bringen. Dabei entschieden wir uns für einen mehrstufigen Prozess. Die Lichtschranken waren über lange Kabel mit einem kompakten, aber hoch präzisen Zeitmessgerät (ALGE Timy) verbunden. Dieser kommunizierte wiederum über dessen serielle Schnittstelle mit einem Notebook (ein Panasonic Toughbook, von unseren Studenten auch „Notebook mit den Raketenabschusscodes“ genannt). Auf dem Notebook lief ein von unserem Team (natürlich Alfi) geschriebenes Programm, in dem der Benutzer die Detektionen der Lichtschranke – inkl. der genauen Zeit – einer Startnummer zuordnen und diesen Datensatz über das Netzwerk an das Timing-Notebook übermitteln konnte. Von dort weg war es eigentlich „business as usual“, also nichts was wir nicht schon bei anderen Sportveranstaltungen kennengelernt hätten. (Erinnerung an mich selbst: Dieses „business as usual“ wäre eigentlich Stoff für mehrere Blog-Einträge.)

Das Feedback des Veranstalters bei der Karawanken Classic 2016 war durchwegs positiv. Wir haben unsere Feuertafe also scheinbar ganz gut gemeistert. Und die schönen Autos machten schon Lust auf mehr. Als wir dann noch vom Veranstalter das Angebot bekamen, auch den TAFRENT-Classic-Sprint im Oktober 2016 zu timen, zögerten wir nicht lange. Auch hier lief alles gut … fast war es schon Routine. Aber:

Wer rastet, der rostet.

(wie passend, bei einer Veranstaltung mit klassischen Autos)

Anfang 2017 trafen wir also wieder mit dem Veranstalter zusammen um die Karawanken Classic 2017 zu besprechen. Dabei wurde schnell klar, dass es für uns die Möglichkeit gäbe, in diesem Jahr – zusätzlich zu mehreren TSPs (siehe oben) – auch noch sogenannte Schnittprüfungen zu timen. Dies sind längere Strecken, die mit einer konstanten und vorgegebenen Geschwindigkeit gefahren werden sollen. Bei anderen Veranstaltungen werden diese Prüfungen üblicherweise mit GPS-Geräten bewertet. Allerdings ist unserer Ansicht nach GPS weder räumlich noch zeitlich genau genug für diese Aufgabe. (Noch mehr Stoff für einen weiteren Blog-Eintrag.)

Nur gut, dass wir Systeme kennen, die Objekte identifizieren und deren Detektionszeitpunkte sehr präzise feststellen können: unsere altbewährten RFID-Zeitnehmungssysteme. Anfang April machten wir also einen Test, am lebenden Objekt sozusagen. Wir statteten ein Auto mit RFID-Chip in verschiedenen Frequenzbereichen aus und testeten die Zuverlässigkeit der Systeme anhand der Detektionsrate und deren Genauigkeit mithilfe eines Lichtschrankensystems. Das Ergebnis: Unsere UHF-RFID-Systeme übertreffen GPS-basierte Ansätze im Bezug auf Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Kosteneffizienz bei Weitem.

Damit war das geklärt. Für Schnittprüfungen würden wir die Autos mit passiven UHF-RFID-Tas ausstatten und bis zu vier GPS-synchronisierte Zeitnehmungsstationen an versteckten Stellen am Straßenrand aufbauen, die dann die vorbeifahrenden Autos detektieren. Durch die Abweichungen zur Soll-Passierzeit werden dann die Strafpunkte errechnet.

Als der 18. Mai schließlich herannahte waren wir bereits top vorbereitet. Wir teilten uns in zwei Teams auf:

  • Das „Lichtschranken-Team“, das sich um die TSPs kümmerte und somit dafür zu sorgen hatte, dass die oben beschriebene mehrstufige System reibungslos funktionierte und schnell genug am einen Ort ab- und am nächsten wieder aufgebaut wurde.
  • Das „RFID-Team“, das die Schnittprüfungen durchführte und dabei einiges an Kreativität benötigte, um die Zeitnehmungsstationen und die RFID-Antennen am Straßenrand zu verstecken und die RFID-Tags an den Autos zuverlässig zu befestigen.

Insgesamt wurden an den drei Veranstaltungstagen (Prolog, Tag 1 und Tag 2) fünf TSPs, fünf Schnittprüfungen und zwei Trainings-Sessions getimed … eine Herausforderung für Mensch und Material. Abschließend betrachtet ist aber alles gut gelaufen (oder besser: gefahren) und es gab, abgesehen von teilweise mangelhafter Mobilfunkabdeckung und einem plötzlich nicht mehr funktionierenden Adapter, keine gröberen Schwierigkeiten.

An dieser Stelle vielen Dank an den Veranstalter, ganz speziell an die Herren Figura und Pirtscher, für die super Organisation dieses Events und vor Allem an unsere Studenten, die uns so zahlreich und tatkräftig unterstützten. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen. Unten noch ein paar Impressionen des Events.

Beteiligte Personen:

  • Katarina Buzuk
  • Valentin Egger
  • Verena Egger
  • Markus Lehrbaum
  • Jasna Sinanovic
  • Lisa Steinbrugger
  • Christoph Uran
  • Sebastian Vock
  • Helmut Wöllik

 

Advertisements

Ein Kommentar zu „FHtiming goes motorsports

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s